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Berufsverband für Integratives Atmen
Wiethestraße 84/B29, 1220 Wien, Tel.: +43 1 7744434, E-mail: ianp@atem-nlp.at

Zeitung des Berufsverbandes

Scham in der Therapie
Alles Schwingung
Therapeut und Therapie

Scham in der Therapie

Scham in der Therapie. Wir erleben es immer wieder, daß wir mit einem Klienten nicht von der Stelle kommen, daß sich alles im Kreis dreht und sich massiver Widerstand aufbaut. Wir kennen auch diese Gefühle in den Boden versinken zu können uns zu verspannen und uns von der Welt abzukapseln an uns selber. Oft ist dafür das Gefühl von Scham zuständig. In diesem Artikel möchte ich zeigen, daß Milton Erickson in vielen Fällen Verhaltensweisen wie sozialer Rückzug, Selbst- und Fremddestruktion als Ausdruck von Scham erkannte und eine raffinierte Strategie für den Umgang mit und die Heilung von übermäßigen Schamaffekten anwandte. Teil seiner Fähigkeit war ein aus eigenem Erleben resultierender respektvoller Umgang mit Scham, der seine scheinbar respektlosen Interventionen für die Klienten legitimierte. Umgekehrt bin ich der Meinung, daß dieselben Techniken, emotionslos modelliert und als schiere Technik schamblind angewandt, beim Betroffenen massive Schamgefühle auslösen und dann eine eher destruktive Wirkungen haben können.

Milton H. Erickson war 16 Jahre alt, als er an Kinderlähmung (Polio) erkrankte. Die Legende erzählt, wie er die Nacht überlebte, in der er, laut Auskunft der Ärzte, eigentlich sterben sollte: Er überlebte, indem er sich auf den nächsten Sonnenaufgang konzentrierte. Etwas später trat er dann die berühmte Reise mit einem Kanu auf dem Mississippi an, um wieder zu Kräften zu kommen. Dies wird als weiteres Beispiel für Durchhaltewillen und kommunikative Intelligenz erzählt. Und dazwischen? Davon wird wenig berichtet, es sei also erlaubt, zu spekulieren. Zwischen der Nacht, in der er nicht starb, und jener Reise lag jedenfalls ein langwieriger Genesungsprozeß. Was hat wohl ein 16jähriger empfunden, der nicht einen Muskel seines Körpers bewegen konnte, der gewindelt, gewaschen, gefüttert werden mußte? Was hat ein 16jähriger empfunden, der physisch entkräftet war – und das in einer Welt zu Beginn dieses Jahrhunderts, in der die Männer (und Frauen) körperlich stark sein mußten, um eine Farm zu bewirtschaften? Und was hat wohl ein 16jähriger empfunden, der genau in dem Moment, in dem man üblicherweise das Erwachsenenleben beginnt und autonom wird, völlig hilflos war und quasi in den Babyzustand zurückfiel? In dieser Zeit entwickelte Erickson seine berühmte Beobachtungsgabe, indem er dabei zusah, wie seine Schwester das Laufen lernte – um selbst wieder laufen zu lernen. Ich glaube, daß Erickson noch etwas anderes, ebenso Entscheidendes in dieser Zeit gelernt hat; etwas, das lange übersehen wurde, was für seine Leistung vielleicht aber ebenso wichtig ist wie seine kommunikativen Fähigkeiten: Er mußte lernen, mit Scham umzugehen. Er hat an sich selbst erfahren, was Scham bedeutet, und er entwickelte das, was man „Affekttoleranz“ nennt. In anderen Worten: Er lernte Scham zu ertragen, und wahrscheinlich nicht nur zu ertragen, sondern sie für sich und andere konstruktiv zu nutzen. Da Scham ein Gefühl ist, das allgemein als unangenehm erlebt wird und daher im NLP zum Teil unter die sogenannten „schlechten Zustände“ eingeordnet wird, ist dies eine scheinbar erstaunliche Aussage. Wie kann ein „schlechter Zustand“ – in Maßen dosiert – etwas Gutes beinhalten?

Was ist Scham?

Wenn Menschen sich schämen, erleben sie häufig körperliche Reaktionen: Sie erröten, sie schwitzen, Atmung, Kreislauf und andere Körperreaktionen verändern sich so, daß zeitweise die Sprache, weitere Handlungen und Erklärungen (z.B. worüber man sich schämt) gehemmt werden. „Sich zu schämen bedeutet, daß man eine psychosomatische Reaktion hat.“ Autoren wie Erik H. Erikson oder Fanita English nehmen zudem an, daß die Fähigkeit, Scham zu empfinden, in der Entwicklung des Menschen sehr frühzeitig einsetzt: zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr, also noch bevor das Kind sprechen kann. Scham ist ein Zustand, der mit dem Gefühl einhergeht, die Selbstkontrolle verloren zu haben. Er entsteht „in Maßen oder traumatisierend, wo sich das Kind im Rahmen seiner Autonomieentwicklung mehr und mehr vom bedeutsamen anderen trennt und abgrenzt, eigene Initiativen entwickelt, und es mit seinem wachsenden Gefühl für eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten voranschreitet oder scheitert“ Je mehr jemand Schamgefühle empfindet, desto kontrollierbarer wird er. Scham löst eine Bereitschaft zur Überanpassung aus. Es gibt auch eine Tendenz zur über- mäßigen Abhängigkeit von anderen Menschen, wenn zu starke Schamgefühle erlebt werden. Scham taucht für sie vor allem in Beziehung zu anderen Menschen auf - das Gefühl, das einem anzeigt, daß man andere verletzt hat und sein Verhalten ändern sollte, wenn man weiterhin mit ihnen zu tun haben will. Der Familientherapeut Helm Stierlin beschreibt Scham als „schmerzliche Verlegenheit, Wut über Erniedrigung und ein so tiefes Gefühl von Beklemmung und Demütigung, daß man in den Boden zu versinken wünscht“ Scham entsteht für ihn „vor allem aus der Niederlage im Konkurrenzkampf, aus Abweisung und dem Gefühl, die Selbstkontrolle und damit einhergehend die Selbstachtung verloren zu haben“ Das Gefühl, körperliche oder sexuelle Mängel zu haben, wird nach Stierlin ebenfalls oft von Scham begleitet. Für den Psychoanalytiker Micha Hilgers beziehen sich Schuldgefühle auf die Verletzung des anderen, Schamgefühle auf die Verletzung des Selbst, und er sieht die positiven und die negativen Aspekte des Schamgefühls: „Scham – in Maßen – ist die Hüterin des Selbst und der Selbstgrenzen; es ist das Gefühl, ohne das es keine persönliche Weiterentwicklung und keine glückende Psychotherapie gibt, keine Identität und kein gesundes Streben nach Autonomie. Es ist aber auch das Gefühl, das, einmal der Steuerung des Ich entglitten, Rückzug, Isolation, Zerstörung und Gewalt der eigenen wie anderer Personen befördert.“ Scham wird selten offen benannt und selten offen gezeigt: „Scham ist ein Gefühl, welches zumeist nur in der Verhüllung, der Maskierung erscheint, selten jedoch offen und unverkleidet.“ Scham hat also typische Verhaltensweisen zur Folge - entweder eine Änderung des eigenen Verhaltens, um den Standards anderer zu entsprechen, oder „das Gefühl, sich am liebsten vor allen verstecken, im Erdboden verschwinden zu wollen, um sich den Blicken anderer zu entziehen“.

Scham und Kompensation

Der erste Ericksonsche Fall, den ich als Heilung von einem Schamkonflikt beschreiben möchte, ist der Fall der jungen Frau, die ihr Hinterteil zu dick findet. Diese Frau ist ein Beispiel für „destruktives Ausagieren von Schamaffekten”: Das Gefühl, einen körperlichen Mangel zu haben, führt zum sozialen Rückzug und zu verschiedenen Kompensationsversuchen. Die Frau isoliert sich, sie nähert sich Männern nicht, und schließlich delegiert sie ihre Schamkonflikte: Sie bekommt Schluckauf, und zwar so dauerhaft und stark, daß eine ganze Klinik (in der sie als Krankenschwester arbeitet) sich mit ihr und ihrem Fall beschäftigt. („Wir hatten 169 Ärzte, alle untersuchten sie und konnten nichts finden.“ So sorgt sie dafür, daß alle ihr dickes Hinterteil nicht mehr als ihren Konflikt wahrnehmen und sich auf ihren Schluckauf als somatisches und unheilbares Problem konzentrieren. Damit haben das Schamgefühl die anderen - sie sind es, die den Impuls zu lachen unterdrücken müssen; sie sind es, die an einer unerklärlichen Krankheit als kompetente Ärzte und Krankenschwestern scheitern. Es ist interessant, wie Erickson diesem Problem begegnet. Erstens: Er erkennt das Verhalten der Frau als Ausdruck einer Schamproblematik um einen körperlichen Mangel und akzeptiert ihr Agieren als Lösungsversuch für einen psychisch unerträglichen Zustand. Zweitens spricht er nicht das Symptom, den Schluckauf, sondern die Schamquelle an. „Ich weiß, daß du den größten Hintern der Schöpfung hast. Ich weiß, er gefällt dir nicht. Aber er ist deiner! Und du magst Kinder, daher wärst du gern verheiratet und hättest eigene Kinder. Und du fürchtest, dieser große Hintern könnte eine Barriere sein ...“

David Gordon hat ausführlich beschrieben, wie Erickson stellt mit dieser Rede Rapport her, indem er die Erfahrung der Frau anspricht, damit ihr Weltbild teilt und nicht versucht, den Mangel wegzureden. Wir schauen uns nun die Brillanz des nächsten Interventionsschrittes an. Erickson verwandelt – und das läßt sich bei fast allen seinen Interventionen mit Schamproblematik zeigen – bevor er „ihr Hinterteil in einer sowohl vernünftigen als auch ihren Wünschen entgegenkommenden Weise beschreibt, den Schamkonflikt in einen Schuldkonflikt. Er beschuldigt sie, etwas unterlassen zu haben: „Du hast nicht das Hohelied Salomons gelesen! Du hättest die Bibel lesen sollen.“ Dieser Vorwurf wog damals vermutlich schwerer als heute. Wahrscheinlich ist er nicht einmal berechtigt gewesen, aber wie ich später zeigen werde, greift Erickson bei der Behandlung von Schamkonflikten sehr häufig zu Beschuldigungen – teilweise gezielt zu falschen. Es spielt also keine Rolle, ob die Frau die Bibel gelesen hat oder nicht – sie wird von Erickson beschuldigt, es nicht getan zu haben. Und das ist etwas, was in ihrem Modell von Welt tatsächlich schuldhaft erlebt wird: Wäre sie bekennende Marxistin gewesen, hätte Erickson wohl kaum mit der Bibel argumentiert. Erst nachdem Erickson die Frau beschuldigt hat, bringt er den lösenden Reframe- In diesem Falle erzählt er der Frau, ihr riesiges Hinterteil würde von einem Mann, der Kinder zeugen möchte, als prächtige Wiege für das Kind gesehen werden. Das verwandelt – wie von Gordon beschrieben – den Makel in einen Vorteil und verschließt damit die ständige Schamquelle. Ein halbes Jahr später ist die Frau verlobt.

Scham und Schuld

Schuldgefühle zeigen eine andere Wirkung als Schamgefühle: Scham ist das letztlich archaischere Gefühl, die „primitivere“ Emotion, und enthält - wie oben dargestellt - physiologische Komponenten, die Schuldgefühle nicht enthalten. Das Gefühl der Schuld und die Auslöser für Schuld können mit intellektuellen und verbalen Mitteln erklärt und dargestellt werden; die physiologische Hemmung, die Scham bewirkt, verhindert dies. Über Scham wird häufig nicht gerne geredet und das bewirkt wiederum, daß dem sich Schämenden Informationen fehlen, wofür er sich schämt. Dies ist bei Schuld anders: Wer sich schuldig fühlt, weiß in aller Regel wofür - und kann dies auch erklären. In NLP-Begriffen dargestellt, entsteht Schuld, wenn man fähig ist, in die zweite oder dritte Position zu gehen und zu entdecken, daß man selbst einen anderen verletzt hat. Scham wiederum ist das Gefühl, das entsteht, wenn man in der ersten Position bleibt und fürchtet, das Selbst könnte durch einen anderen verletzt werden. Eine andere Deffinition besagt: „Schuld ist ein Gefühl, das als Reaktion darauf entsteht, die eigenen Standards verletzt zu haben, Scham beinhaltet die Verletzung von Standards anderer Menschen.“ Indem Erickson die Frau beschuldigt, die eigenen Standards verletzt zu haben (Bibel nicht gelesen), führt er sie vorn elementaren Schamgefühl weg und erreicht folgendes: 1.)Er bewirkt einen sogenannten Zustandswechsel, aber einen Zustandswechsel in kleinen Schritten. (Er versucht nicht, Scham in ein überschäumendes Glücksgefühl zu verwandeln, was nicht funktionieren würde.) 2.)Der Schuldzustand beinhaltet nicht die physiologische Hemmung von Sprache und Intellekt wie der Schamzustand, daher wird der Klient aufnahmebereit für den folgenden Reframe. 3.) Es entsteht ein Perspektivenwechsel: Das Gefühl, eigene Standards verletzt zu haben, beinhaltet auch ein Gefühl von Kontrolle und Autonomie - genau die Gefühle, die bei Scham verlorengehen.

Die (falsche) Beschuldigung hat also eine psychologisch wichtige Funktion. Erickson hat zudem erkannt, daß die Heilung durch einen Psychiater oder Psychotherapeuten, die für andere sichtbar wird, auch eine Schamkomponente enthält. Würde die Frau gezwungen, über ihre eigene Heilung erneut Scham zu empfinden, könnte dies den Heilungsprozeß blockieren und sie erneut in irgendeine Form von destruktivem Handeln hineintreiben. Dem beugt er vor. „Niemand außer uns beiden braucht zu wissen, daß du diesen Schluckauf nicht brauchst ... Also laß erst heute abend gegen halb elf oder elf den Schluckauf verschwinden. Dann kann niemand behaupten, der Psychiater hätte dich geheilt. Meine Unterredung mit dir war ein völliger Fehlschlag. Überdies gibt ihr das ein weiteres Gefühl der Autonomie: Sie wird den Schluckauf verschwinden lassen, nicht der Psychiater. Und es wahrt ihre Würde in einem Krankenhaus, in dem 169 andere Ärzte an ihrem Fall gescheitert sind. Ganz zuletzt: In gewisser Weise sorgt Erickson auch für sich selbst. Er vermeidet einen unnötigen Konkurrenzkampf mit 169 eifersüchtigen Kollegen, die sich trotz ärztlicher Kompetenz blamiert haben.

Autonimie und Selbst-Kontrolle

Ein weiterer Schamkonflikt, den Erickson erfolgreich behandelt hat, ist der Fall einer Frau, die öffentlich pupste und sich dann so schämte, daß sie die Universität abbrach und sich vollständig von jeder menschlichen Gemeinschaft zurückzog, so daß sie sogar ihr Essen telefonisch bestellte und nur nachts abholte - eine sehr intensive Schamreaktion. An der Heilung dieses Falles wird erneut die Verwandlung von Scham in Schuld als ein wichtiges und sehr interessantes Prinzip des Ericksonschen Vorgehens deutlich: Er suggeriert der Frau, sie habe sich Gott gegenüber schuldig gemacht. „Sie sind diejenige, die respektlos ist.“ Die Frau beginnt sich zu verteidigen, die klassische Reaktion auf eine Beschuldigung: „Das bin ich nicht.“ Erickson setzt nach: „Ich kann es Ihnen beweisen.“ Dies ist ein Machtkampf um Schuld - vom zerstörerischen Schamaffekt ist damit erfolgreich abgelenkt. Die dann folgende Intervention ist so brillant und so vielschichtig, daß es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, sie auch nur einigermaßen angemessen zu diskutieren. Erickson verschließt hier die Schamquelle, indem er die Frau sogenannte „Pupsbohnen“ essen läßt und sie damit aktiv das tut, was vorher aus Versehen geschah. Sie muß es für Gott tun, um ihm Respekt zu zeigen. Auch hier wird unter anderem Scham in Schuld verwandelt. Indem die „sehr, sehr fromme“ Frau ihrem Gott Respekt zeigen muß, um ihre bisherige Respektlosigkeit wieder gut zumachen, erkennt sie „Schuld“ an und wechselt damit von der für sie als unerträglich erlebten Scham zu einem anderen und reiferen Gefühl. In mehrfacher Hinsicht gibt auch hier Erickson das Gefühl von Kontrolle und Autonomie an die Klientin zurück. Damit ist das nächste Prinzip Ericksonschen Vorgehens beschrieben: 4.) Er findet ein Vorgehen, eine Definition, einen Reframe, der dem sich Schämenden das Gefühl von Autonomie zurückgibt und damit einem wesentlichen Problem des Schamerlebens begegnet, oder er definiert den Makel so um, daß er im Erleben des Klienten kein Makel mehr ist. Auf jeden Fall verschließt er die Schamquelle und erreicht damit die gewünschte Verhaltensänderung.

Ein weiteres Beispiel für die Heilung von einem übermäßigen Schamaffekt ist die kleine achtjährige Ruth, die Eltern, Angehörige, Freunde, Mitschüler und sogar den Leiter des Gaswerkes haßt, weil alle sie nur „Sommersprosse“ nennen, und die Ericksons Praxis betritt: „Und so kam die kleine Ruth herein, voller Trotz, bereit zum Kampf.“ Sie fühlt den unabänderlichen Makel und schämt sich. Auch Ruth wird (falsch) beschuldigt, etwas Unrechtes getan zu haben. „Du bist ein Dieb ... Natürlich, du stiehlst! Ich weiß, daß du stiehlst! Ich habe Beweise dafür!“ – und somit wird ein Scham- in ein Schuldproblem verwandelt. Das lösende Reframing „Zimtgesicht“ wird erst eingesetzt, nachdem das Schamgefühl durch ein weniger belastendes Schuldgefühl entlastet wurde. Hier wird Prinzip Nummer 5.) deutlich: Der heilende Reframe („Wiege für Kinder“, „Pupsbohnen“, „Zimtgesicht“) orientiert sich an der tatsächlichen Schamquelle, nicht am Symptom, das gewählt wurde, um die Scham zu kompensieren und so erträglich zu machen („Schluckauf“, „Rückzug“, „Kampf gegen alle“).

Es gibt noch zahlreiche Beispiele aus Ericksons Werk, und es würde lohnen, sie alle einzeln auf Ericksons Umgang mit Schamgefühlen zu untersuchen, aber dies ist hier nicht möglich. Ich möchte daher nur noch ein Beispiel erwähnen, das besonders interessant ist, weil es zeigt, daß Erickson bereits die später von Helm Stierlin beschriebenen Scham-Schuld-Zyklen in Familien kannte und auch hier unter anderem die Verschiebung von Scham zu Schuld erfolgreich für die Behandlung einer jungen Frau mit Anorexia Nervosa (Magersucht) einsetzte: Lori und ihre Mutter kommen zu Erickson in Behandlung, weil Lori als 14jährige so stark untergewichtig ist, daß sie zu sterben droht. Erickson findet immer wieder Gründe, warum Lori sich schuldig gemacht hat und daher bestraft werden muß: „Erickson sagte: “Also Lori, wenn jemand wimmert und eine andere Person nachts wach hält, dann versündigt er sich gegen diese Person. Und Menschen, die sich wissentlich gegen eine andere Person versündigen, sollten bestraft werden.“ Lori erhält im ersten therapeutischen Schritt Essen als Strafe. Schließlich wird sie von ihrer Anorexia Nervosa geheilt. Der Umgang Ericksons mit übermäßiger und damit destruktiver Scham ist also dadurch gekennzeichnet, daß er von dem Schamaffekt ablenkt, indem er einen künstlichen Schuldkonflikt auf- baut.

Wichtig ist natürlich, daß er a) nicht bei diesem Zwischenschritt stehen bleibt, sondern den heilenden und konstruktiven Reframe unmittelbar nach der „Beschuldigung“ bringt, b) daß er das Schamgefühl aus eigener Erfahrung kennt und c) einen echten Rapport in kürzester Zeit aufbauen kann. Einfach falsche, möglicherweise demütigende Beschuldigungen sind natürlich nicht hilfreich.

Scham und Stolz

Bis hierher wurde Ericksons Umgang mit übermäßigen, also destruktiven Schamgefühlen gezeigt. Erickson setzte Schamgefühle jedoch auch gezielt für die Heilung von sogenannten dissozialen Persönlichkeiten ein. Dissoziale Persönlichkeiten können aus bestimmten Gründen häufig keine Scham fühlen oder kompensieren auf- kommende Schamgefühle durch Größenideen. Diese Menschen empfinden keine Scham, wenn sie einen anderen Menschen demütigen, beschämen oder niedermachen. Dafür erlebt das jeweilige Opfer ausgesprochen starke Schamgefühle. Würde man jedoch versuchen, einem sogenannten dissozialen Menschen die für seine Beziehungsgestaltung und Entwicklung notwendigen Schamgefühle zu vermitteln, würde er sie sofort abwehren. Im Rahmen einer Analyse empfiehlt der Analytiker Hilgers daher eine maßvolle Dosierung von Schamerlebnissen, so daß der Klient langsam, aber sicher mit Scham umzugehen lernt. „Die Fähigkeit, mittels Scham zu einem Anreiz zu kommen, eigenes Verhalten, Erleben und Denken zu modifizieren, ist Voraussetzung gelingender Psychotherapie.“ Und weiter: „Hinsichtlich Indikation und Prognose kommt es auf die Verfügbarkeit und die Steuerbarkeit einzelner Schamaffekte an, die über Gelingen oder Scheitern mitentscheiden - bei Patient wie Therapeut.“ Genau dies hat Erickson erkannt und auf seine Art angewendet. Milton H. Erickson ist nach eigener Aussage in bezug auf sein Denken über Psychotherapie stark geprägt worden durch das Erlebnis mit dem Farmer- jungen Joe. Joe hatte nach Ericksons Schilderung eine Karriere als Krimineller hinter sich, die die Prognose für irgendeine Form von Resozialisierung nicht nur ungünstig, sondern unmöglich aussehen ließ. Joe, den seine eigenen Eltern wegen Aggressivität vor Gericht brachten, der sofort nach jeder Entlassung aus Straf- oder Besserungsanstalten wieder Einbrüche verübte - Joe wird durch einen einzigen Satz geheilt, als er die Bauerntochter Susie anspricht und sie fragt, ob er sie zum Tanzen einladen darf: „Das kannst du, wenn du ein Gentleman bist.“ Das Gefühl, das Susie hier verfügbar macht, ist Stolz, nach Hilgers Aussage das gegenteilige Gefühl zur Scham: „In vieler Hinsicht ist Stolz daher die gegenteilige Empfindung zu Scham ... Stolz wie Scham regulieren das Selbstwertgefühl.“ Stolz wird ausgelöst, wenn man etwas bewältigt hat, das den eigenen Idealen entspricht. Joe wird zum besten Arbeiter der Stadt, heiratet Susie und führt das Leben eines Ehrenbürgers - zweifellos eine überaus geglückte Resozialisierung. Joe ist das Beispiel für die Folgen eines durch neue Straftaten abgewehrten Schamgefühls, das in eine kriminelle Karriere mit immer demütigenderen Bestrafungen führt. Die dadurch auf- kommenden Schamgefühle werden wiederum mit neuen Straftaten kompensiert. Dieses Muster wird unterbrochen, als das gegenteilige Gefühl, nämlich Stolz, verfügbar gemacht wird. Erickson wendet dieses Prinzip mit Paul an. Paul ist ein Ex-Sträfling, der nach seiner Entlassung als Rausschmeißer in Kaschemmen arbeitet, sich betrinkt und schließlich von seiner Freundin verlassen wird. Er kommt zu Erickson, hört Erickson zu und erklärt ihm, dieser wüßte schon, wo er sich seine Therapie hinstecken könne. Erickson wartet, bis Paul schließlich in eine Situation gerät, wo dieser ihn nach Auskünften fragt. In diesem Moment verweigert ihm Erickson eine Antwort und rät ihm, im Hinterhof des Hauses zu bleiben und die Dinge noch mal zu überdenken. Und dann packt er ihn bei seiner Ehre als Häftling, so daß Paul in diesem Hinterhof auch bleibt: „Und Paul, wenn du möchtest, daß ich deine Stiefel konfisziere, wirst du mich darum bitten müssen.“ Diesen einen Satz definiert Erickson als „das einzige Therapieähnliche, was ich sagte ...... Auch hier glückt die Resozialisierung eines sogenannten Dissozialen, indem das Gefühl von Stolz oder Ehre verfügbar gemacht wird und damit das Selbstwertgefühl neu reguliert werden kann. Erickson kannte also die Wirkung von Scham und Stolz auf die Regulation von Selbstwertgefühl und hat zwei wesentliche Prinzipien für den Umgang mit Scham entwickelt:

– Wenn zuviel Scham erlebt wird, verändert Erickson das übermäßige Schamerleben, indem er erst einen Schuldkonflikt aufbaut und dann den heilenden Reframe zur Schamquelle äußert.

– Wenn zu wenig Scham erlebt wird, verändert Erickson die destruktive Scham-Schuld-Spirale, indem er das Erleben von Stolz ermöglicht und damit indirekt auch Scham. Joe, der Kriminelle, hätte sich geschämt, Susie zu enttäuschen: Über das Gefühl von Stolz wurde auch Scham verfügbar, und das machte ihn beziehungsfähig. Paul, ebenso kriminelle hätte sich geschämt, aus Ericksons Hinterhof davonzulaufen, nachdem dieser ihn „bei seiner Ehre als ehemaliger Häftling“ gepackt hatte.

Diese genaue Kenntnis eines Affektes aus eigenem Erleben und Beobachten hat Erickson geniale therapeutische Strategien für den Umgang mit Scham und Stolz entwickeln lassen.


[]An den Anfang

Alles ist Schwingung

Erfahrungen - Integratives Atmen mit Unterstützung der Magnetfeldtherapie (Dosierte, pulsierende Magnetfelder im Dienste unserer Gesundheit) Der Atem als eine der wichtigsten Energiequellen für unser körperliches und seelisch – geistiges Gesundsein ist uns vertraut . . . ja bereits selbstverständlich geworden. Dass der Atem eine der wichtigsten Entgiftungsfunktionen auch im körperlichen Sinne erfüllt, ist vielen Menschen schon weniger bekannt. Heute wissen wir, dass etwa 70 % der Entgiftung / Entsäuerung über unsere Lunge geschieht. Der Rest verteilt sich auf Ausscheidungen über Schweiß, Harn und Stuhl. Es ist also sehr sinnvoll sich diese Tatsache immer wieder bewusst zu sein. Das heisst je mehr Raum wir unserem Atem ermöglichen desto besser funktioniert die Entschlackung. Mit Rebirthing – Integrativem Atmen sind wir also genau richtig um zu mehr Atemvolumen zu gelangen. Der Atem als einer unserer wichtigsten Heiler - diese Dimension wird noch immer von vielen Menschen unterschätzt. Wir kennen es Schmerzen “wegzuatmen” ... den Punkt hinter dem Schmerz wahrzunehmen ... Integration ... Lösung ... Einssein ... Und jetzt gibt es da etwas, das genau diese Entwicklung nämlich noch tieferes Atmen im Rebirthingprozess (noch schneller) zulässt und so diese ohnehin bereits sehr wirksame Methode auf faszinierende Weise unterstützt und noch effektiver macht– – die Magnetfeldtherapie! Rebirthing – Integratives Atmen verbunden mit der Magnetfeldanwendung Was genau geschieht auf der zellulären Ebene? Jedes Organ schwingt in seiner ureigenen Frequenz Unser Körper besteht aus ca. 70 Billionen Zellen unterschiedlichster Art (Knochen-, Bindegewebs-, Muskel-, Blut-, Nervenzellen ... die Schwingung der Kommandozentrale unserer Gehirns schwingt z.B. in einer Frequenz von 7,83 Hz, das entspricht genau der Schwingungsfrequenz unseres Erdmagnetfeldes. Und alle Zellen verständigen sich untereinander durch bestimmte elektromagnetische Schwingungen. Wenn ein Mensch also erkrankt, ist das jeweilige Schwingungsmuster gestört – die Zelle ist geschädigt. Lunge und Magen schwingen z.B. im Ultrakurzwellenbereich Herz und Niere schwingen z.B. im Mikrowllenbereich Das System der Grundregulation (die Grundsubstanz) steuert pro Sekunde über 100.000 lebenswichtige Funktionen jeder einzelnen Zelle. Ihre engsten “Mitarbeiter” sind Ø das zentrale Nervensysten Ø der Blutkreislauf als Nährstoff- u. Sauerstoff-Lieferant Ø das Lymphsystem als Müllabfuhr u. Umweltkontrolleur. Der Zellstoffwechsel; Jede Sekunde teilen sich in unserem Körper 200 Mio. Zellen und wir entscheiden in jeder Sekunde, mit allem was wir tun, über die Qualität unserer nächsten 200 Mio. Zellen. Krankheiten entstehen, wenn die gesunde Zellteilung nachlässt – zum Beispiel bei flachem Atmen, mangelhafter Ernährung, zu wenig Bewegung, schädlichen Umwelteinflüssen, entsprechende mentale Überzeugungen, ... Bei gesunden Stoffwechsel werden über die äussere Zellflüssigkeit Sauerstoff und Nährstoffe durch Calcium- +Ionen an die Zellmembran gebracht. In der Zelle entstehen durch Umwandlungsprozesse -Ionen, die Schlackenstoffe und Gifte transportieren. Sobald an der äusseren Zellmembran mehr +Ionen vorhanden sind als -Ionen in der Zelle, passiert ein Ionen-Austausch. Sauerstoff und Nährstoffe gelangen durch die Zellmembran in die Zelle - “Schlacken” und Gifte werden hinausgeschafft. Die Mitochondrien, die wie ein Ofen funktionieren, sind die “Kraftwerke” der Zelle. Ein Ofen kommt nur in Gang wenn genügend Brennmaterial und Luft vorhanden ist. Auch die Mitochondrien verarbeiten das “Brennmaterial” Nährstoffe nur gründlich, wenn genügend Sauerstoff mitgeliefert wird. Der Ofen produziert bei der Verbrennung Wärme, die Zelle Energie. 50—70% dieser Energie braucht die Zelle zur Selbsterhaltung, den Rest zur Zellteilung, als Kraftreserve oder zur Regeneration ..

IM ÜBERBLICK

Mehr Atemvolumen durch Rebirthing- Integratives Atmen in Verbindung mit gezielter, dosierter Magnetfeldanwendung bedeutet auf der körperlichen Ebene: Die Körperzelle tritt schon nach wenigen Minuten in Resonanz zu einem elektromagnetischen Impuls den ein dosiertes, pulsierende Magnetfeld aussendet daher tiefe und entspannte Atemzüge sind leichter u. schneller möglich daher deutlich verbesserte Durchblutung dadurch gesteigerte Sauerstoffversorgung dadurch veränderte Blutviskosität (“elastischer”) daher erhöhte Blutfließgeschwindigkeit mit weniger Herzschlägen daher optimale Versorgung d. Körpers mit Nährstoffen (+Sauerstoff) (Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren, Aminosäuren, ... ) daher optimale “Verbrennung” in der Zelle daher noch intensivere Energetisierung der Zelle daher gesteigerte Entschlackung (weniger Zellulite, Rheuma, Gicht, Haarausfall, Zahnprobleme, ...)  Ergebnis: Regenerationsfähigkeit lebender Zellen, Zellteilung und die Qualität neuer Zellen nehmen rapide zu! Für mich erweitert sich damit auch die Indikationsliste für die Inanspruchnahme der Integrativen Atemtherapie beträchtlich: Bisher: Asthma, Erkrankungen d. Magen- u. Darmtraktes, Zwerchfellhochstand, Allergien, Chronische Muskelverspannungen, Multiple Sklerose im Anfangsstadium, Verminderte Lungenkapazität, Schlafstörungen, Stresserkrankungen, Süchte, Konzentrationsprobleme, Ängste, Depressionen, Unfallschocks, Krisenintervention. Erweiterter Wirkungsbereich durch den zusätzlichen Einsatz der Magnetfeldanwendung: Erhöhung des Atemvolumens, Stärkung d. Immunsystems bei Infekten u. Stoffwechselbedingten Allergien, Verbesserung d. Knochen u. Knorpelstruktur, Beschleunigung d. Wundheilung, Schmerzlinderung, Aktivierung d. Hormonhaushaltes, Neuralgien u. Gelenkserkrankungen, Harmonisierung d. vegetativen Nervensystems , Herz-, Kreislauf- u. Blutdruckbeschwerden durch noch bessere Durchblutung, Regulation bei hypo- u. hyperaktiven Kindern, ... Kontraindikationen: Epilepsie, Schwangerschaft, Elektronische Implantate, Schilddrüsenunter- bzw. Überfunktion sofern sie noch nicht vom Arzt medikamentös eingestellt ist. Wenn wir davon ausgehen, dass die elektromagnetische Energie die elementarste Energieform ist, von der jedes Leben eines Organismus abhängt (Prof. Dr. Werner v. Heisenberg), so denke ich, dass die Integrative Atemtherapie durch die begleitende Anwendung des Magnetfeldes noch effektiver und umfassender und damit unsere Arbeit in der Therapie noch ganzheitlicher ist.

Wallner Gerhard


[]An den Anfang

Therapeut und Therapie

EDie Zeitschriften sind voll davon, in diversen Läden quellen die Regale über und es wird immer mehr: Therapie, in jeglicher Form, verschiedene Namen, Einzel- oder in der Gruppe, kürzer oder länger und natürlich gibt es auch für alles eine Ausbildung. Die meisten dieser sogenannten neuen oder auch humanistisch genannten Therapieformen zielen darauf ab, den Menschen zu mehr Lebendigkeit, d.h. zu mehr Kontakt, Spontaneität, Kreativität, Emotionalität und damit zu mehr Bewußtheit, Befriedigung, Differenzierungsvermögen und Selbstverantwortung zu befähigen. Jedes Individuum hat in seinem Leben eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Es liegt in seiner persönlichen Verantwortung, dieses höchste und letztendliche Ziel zu entdecken und zu aktualisieren. Leiden, Unzufriedenheit und Frustration entstehen immer aus der bewußten oder unbewußten Weigerung, die eigene einzigartige Lebensaufgabe zu erkennen und zu erfüllen. WIRKLICHES GLÜCK UND ECHTE BEFRIEDIGUNG FINDET DER MENSCH NUR DANN, WENN ER SEINEM POTENTIAL, DAS WIE EIN SAME IN IHM SCHLUMMERT, DIE RICHTIGE NAHRUNG UND DIE ERFORDERLICHEN WACHSTUMSBEDINGUNGEN GIBT. Dies ist meiner Meinung nach die größte (und einzige) Verantwortung, die jeder für sich selbst und gegenüber seiner Umwelt trägt. Die Schwierigkeiten denen sich viele Therapeuten/innen der sogenannten neuen Therapieformen gegenüberstehen, betreffen meist eine zu inkompetente Ausbildung und zwar speziell in den Bereichen "Verantwortung des Therapeuten sich selbst und dem Klienten gegenüber" und über "die innere Haltung, das Sein als Therapeut". In den klassischen Therapieformen erleben wir in der Arbeit eine sehr klar strukturierte, teilweise vom Gesetzgeber vorgegebene Form des Handelns und der Dissoziation zum Klienten hin. Das kann soweit gehen, daß der Therapeut in einem anderen Zimmer sitzt und durch eine Glasscheibe vom Klienten getrennt ist. Der "neue Therapeut" der gewillt ist, sich mit dem Klienten und mit sich selbst auseinanderzusetzen und dies nicht nur in einer Weise, wo man über gewisse Sachen spricht, sonder der auch bereit, ja nicht nur bereit sondern es mit Demut und Dankbarkeit zuläßt, daß sich der Klient öffnet, in seine Emotionen hineingeht, wo auch körperliche Berührung stattfindet, hat natürlich mit den Themen Projektion - Gegenprojektion, Sexualität, Macht - Ohnmacht, Spiritualität usw. zu tun. Und gerade diese Themen, die der Klienten uns bietet, die sich in uns piegeln und uns selber in Resonanz bringen, machen unsere Arbeit lebendig, bunt und arbeits (lebens) wert. Sie bringen uns weiter in unserem eigenen Prozeß und lassen uns wieder mehr und mehr das werden, was wir sind. Oder wie es C.G. Jung ausdrückt: "Unsere größte Aufgabe ist es das zu werden was wir sind." Ich möchte dir mit diesen Zeilen die nun über "Ethische Grundsätze" und "die innere Haltung - das Sein als Therapeut" folgen, die auch mir persönlich ein Leitfaden waren und noch sind und die ich auch in meinen Ausbildungen lehre, etwas mitgeben, daß dich vielleicht auf deinem Weg in der Arbeit mit Dir und anderen Menschen klarer und flexibler werden läßt.

Ethische Grundsätze – Verantwortung als Therapeut

Selbstverantwortung des Klienten
Er ist zum großen Teil für die Resultate der Arbeit verantwortlich; du bietest den bestmöglichen Rahmen für seinen Wachstumsprozeß, bist aber nicht verantwortlich dafür, die Resultate zu kreieren, die er sich erschaffen will. Du kannst ihm helfen, Klarheit darüber zu gewinnen, wo die Blockaden liegen, wenn die erwünschten Resultate nicht eintreten.

Schweigepflicht
Was in den Sitzungen gesprochen wird, muß in den Sitzungen bleiben. Das gehört zur Integrität und Intimität des Arbeitens und gibt dem Klienten die notwendige Vertrauensbasis.

Sexualität
Das Arbeiten mit Klienten geschieht in einer intimen Atmosphäre, in der auch sexuelle Energien spürbar werden können. Damit kannst du arbeiten, indem du sie offen ansprichst. Verantwortlich damit umgehen, heißt aber, keine sexuelle Begegnung zuzulassen, weil sexuelle Spannung in einem Prozeß des Begleitens und Unterstützens nie aus einer gleichgelagerten Ebene, sondern aus einem Abhängigkeitsverhältnis kommt.

Prozeßdauer
Halte dir aber immer etwas Zeit frei, wenn dir deine Intuition sagt, daß für den Klienten noch mehr Arbeit notwendig ist.

Eigener Wachstumsprozeß
Teil deiner Selbstverpflichtung, deiner Lebensaufgabe treu zu sein, wird darin liegen, deinen eigenen Prozeß weiterzuverfolgen (Supervision, Fortbildungsseminare, Meditation etc.).

Körper-, Ernährung- und Gesundheitsbewußtsein
Dein Körper ist ein wichtiges Instrument im ganzheitlichen Arbeiten. Du hast ein Geschenk mit diesem Körper bekommen, mit dem du achtsam umgehen solltest.

Persönlichkeitsentwicklung
Die Menschen in deiner Umgebung sind Spiegel deiner persönlichen Entwicklung und geben dir Nahrung für dein Wachstum. An Gefühlsoffenheit, Klarheit und Harmonie in Wahrheit in deinen Beziehungen zu arbeiten, dient ganz wesentlich der Weiterentwicklung deiner Fähigkeit, für Klienten unterstützend präsent zu sein.

Verantwortliches Denken und Handeln
Du bist Teil eines großen Ganzen. Durch Deine Verbundenheit mit dem Universum und mit allen darin lebenden Wesen ist es Deine Verantwortlichkeit, möglichst viel Positives auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene einfließen zu lassen, dazu zählt auch das behutsame Umgehen mit den noch vorhandenen Ressourcen der Erde.

Politisches Bewußtsein
Die Arbeit mit dem Atem öffnet das Bewußtsein - nach innen und nach außen. Der Einsatz für Gerechtigkeit und Freiheit ist untrennbar verbunden mit der Erfahrung von innerer Harmonie und Freiheit. Die Offenheit der Kommunikation, wie sie in einer bewußten Gruppe oder in einem Therapeut - Klient - Verhältnis spürbar wird, jeder Akt der Ganzwerdung, bringt eine globale Heilwerdung und eine "bessere" Gesellschaft zum Vorschein.

Finanzielle Unabhängigkeit
Sei dir bewußt, daß du ein erwachsener und befähigter Mensch bist, der alles hat, um in dieser Gesellschaft genug Geld für sein Leben zu verdienen. "Du bist nicht abhängig davon, ob Klienten zu dir kommen oder nicht". Du bist ein Teil des Ganzen. Das gibt dir die nötige Freiheit, ohne finanziellen Druck mit Klienten zu arbeiten.

Finanzielles Wertbewußtsein
Deine Lebenszeit und deine Energie, dein Wissen und deine Erfahrung, die du in einer Sitzung gibst, sind Werte, die AUCH in Geld gemessen werden können. Steh zu diesem Wert.

Über die innere Haltung - das Sein als Therapeut
Therapeutische Arbeit wird effizient, wenn du in einer Sitzung eigene Aspekte deines Alltages reduzieren kannst (meditative Haltung). Als Therapeut kannst Du ausschließlich die Selbstheilungskräfte (Homöoestase) deines Klienten aktivieren. Als Therapeuten müssen wir uns zunehmend zurücknehmen und dürfen nicht den Wahn entwickeln, daß wir da etwas machen. Selbstheilung und Veränderung können mühelos und autonom geschehen; sie unterliegen einer gewissen Lenkung oder Steuerung, die wir nicht zu machen brauchen. Über die Wertschätzung des Klienten und die Empathie werden die Selbstheilungskräfte im Klienten von selbst in Gang gesetzt. Bei einer tatsächlichen Begegnung entstehen viele Dinge von selbst, müssen nicht mühsam erdacht werden. Allein Begegnung bewirkt etwas. Und Einfluß auf das, was es bewirkt, können wir durch die Gestaltung der Qualität der Begegnung nehmen. ' Nicht alte Muster abwickeln: schnelles Abchecken, schnelle Diagnose stellen, Einkasteln, Wertungen vornehmen, sondern Sich in Deutungen zurücknehmen Warten, Geduld haben, Zeit lassen den Raum freihalten für alles, was geschehen möchte Es gibt (nicht erklärbare) Resonanzphänomene zwischen Therapeut und Klienten: je weniger du tust, um so mehr kann geschehen Du kannst dann nicht mehr genau beschreiben: Aufgrund dieser oder jener Intervention ist das geschehen, aber es ist mit Sicherheit etwas geschehen. Als Therapeut solltest du den Wunsch hintanstellen, immer erfolgreich zu sein, kontrollierbare Erfolge zu erzielen. Dein Klient wird nicht immer "geheilt", in eine "heile Welt" die Sitzung verlassen Wenn du geschehen läßt, wenn du die Kontrolle aufgibst, dein Tun reduzierst, kann deine Angst steigen, was passieren wird. Deine Kontrollmöglichkeiten nehmen ab. Die Bedeutung, ein erfolgreicher Therapeut zu sein, muß in deinem Wertesystem abnehmen. Das kann sehr bedrohlich sein, da sich zuallererst einmal dein Selbstwertgefühl dagegen wehren wird. Das hat viel mit Demut zu tun. Eine Art von Ent-Persönlichung im positiven Sinne. Es spielt keine Rolle, ob ich als Therapeut etwas tue, oder du oder irgendwer anders. Es geht darum, die Qualität einer Begegnung zu erzeugen. In der Qualität der Begegnung liegt die Bedeutung. Techniken, Strategien oder irgendwelche Ausbildungen verlieren an Gewicht.

Erkenne und akzeptiere den Ausdruck von Gefühlen
Ein wichtiger Schritt ist, in deinen eigenen Prozeß immer wieder einzusteigen, um mit den Gefühlen von anderen Menschen umzugehen. Du mußt Gefühle aller Art annehmen können. Haß, Angst, Freude, was auch immer. Du machst Kontakt. Machst eine Bemerkung, die die andere Person wissen läßt, daß du dabei bist und das du verstehst was vor sich geht. Und denk dran, früh erwischen! Das ist die erste Regel: Erkennen und Annehmen.

Vermeide Problemlösungen
Das ist eine Einstellung, von Haltung und Bewußtsein. Stell dir vor, du sitzt an einen Fußweg und schaust träumend den vorbeigehenden Menschen zu, so als ob jeder von ihnen eine geheimnisvolle Erscheinung wäre, die durch dein Bewußtsein treibt. Dabei versuche nicht, irgend jemandes Problem zu lösen, oder Probleme zu suchen, die gelöst werden müßten. Nur das Geheimnis fühlen, erfahren. Das gibt dir einen größeren Blickwinkel. Das bringt dich aus einer aktiven, machenden, symphatetischen Mobilisierung in einen entspannteren Zustand. Dinge aus der Peripherie kommen ins Bewußtsein, Dinge, die nicht auftauchen können wenn man starr konzentriert ist. Es ist eines der schwierigsten Dinge. Wir wollen Probleme lösen, wir wollen helfen. Nun, es gibt verschiedene Ebenen von Helfen.

Unterstütze spontanes Verhalten
Wenn du spontanes Verhalten unterstützt, wirst du niemals das Abwehrsystem verletzen. Und wenn du nie das Abwehrsystem verletzt, wirst du auch keinen Widerstand hervorrufen. Widerstand hervorrufen und sich durch ihn durchzukämpfen kann manchmal gut sein, aber zu 90% ist es nicht sinnvoll. Warum die Dämonen wecken? Warum die Tieger am Tor aufwecken, wenn du einfach durchschlüpfen, die Arbeit erledigen und mit einem Minimum an Anstrengung und Schmerz wieder herauskommen kannst? Der einfachere Weg basiert auf der Beobachtung von spontanem Verhalten. Suche nach der Bedeutung Das Ziel ist zu verstehen. Du suchst nicht für dich selbst nach der Bedeutung. Du suchst nach der Bedeutung, die für die Person, mit der du arbeitest, wichtig ist. Du mußt nicht alles verstehen was vor sich geht. Du mußt nur eine Situation schaffen, in der der Klient versteht, was passiert. Ich werde dir ein paar Beispiele geben: Du bist mit deinen Händen in Berührung mit dem Klienten und plötzlich fühlst du etwas, und du siehst ein bißchen Traurigkeit, die Schultern des Klienten ziehen sich nach oben und du legst eine Hand oder eine Decke darunter und unterstützt diese Bewegung; der Klient weint und nach einer Weile beruhigt er sich ein bißchen, auch wenn er immer noch traurig ist; sobald Raum dafür ist, fragst du: "Was scheint meine Hand dir zu sagen?" Gehe laufend zwischen Körper und Geist hin und her. Frage nach der Art der Bewegung. Frage nach der Bedeutung der Berührung. Das ist die Art von Bedeutung nach der du suchen sollst. Die Bedeutung liegt in den Gefühlen und Körperreaktionen. Sie ist in körperlichen Erfahrungen verankert. Deine Fragen sind keine Einladungen zu Spekulationen. Sie unterstützen die Informationssuche über gegenwärtige Erfahrungen. Auch wenn der Klient nicht antwortet, kann ihm doch etwas deutlich werden. Oft gibt es einen plötzlichen Schwall von Informationen über eine augenblickliche Erfahrung genau an dem Punkt, an dem du nach Bedeutung suchst. Der Klient geht tiefer und weint freier und umfassender. Und obwohl es schmerzhaft ist, tut dieses Weinen gut. Es drückt eine Wahrheit aus, die entlich anerkannt wird.

Vier Punkte zum Erinnern:
Anerkennen und annehmen von Gefühlsausdrücken
Vermeiden von Problemlösungen
Unterstützung von spontanem Verhalten
Das Suchen nach Bedeutungen

THERAPEUTEN, DIE IN DER LAGE SIND, SICH ALS PERSON MEHR UND MEHR ZURÜCKZUNEHMEN, UM DEN PROZESS SO ZU GESTALTEN, WIE ICH IHN JETZT BESCHRIEBEN HABE, HABEN BEGONNEN, DIE URSPRÜNGLICHE MOTIVATION FÜR DIESEN BERUF, DER MEISTENS IN PERSÖNLICHEN KRÄNKUNGSGESCHICHTEN LIEGT, ZU INTEGRIEREN. ABSCHLIEßEND MÖCHTE ICH NOCH SAGEN, DAß AUCH IMMER ETWAS SPIRITUELLES MITSCHWINGT, NÄMLICH DER GLAUBE IN DIE SELBSTHEILUNGSKRÄFTE DES ANDEREN. MIT EINEM SOLCHEN GLAUBEN KANN MAN SPONTANES VERHALTEN UNTERSTÜTZEN. MAN KANN DEN PROZEß VON REAKTIONEN DES KLIENTEN FÜHREN LASSEN. MAN BRAUCHT KEINE PROBLEME ZU LÖSEN. ALL DIES BERUHT AUF DEM ANNEHMEN DER HEILUNGSKRÄFTE DES ORGANISMUS. DIESER GLAUBE GIBT DIR PLATZ ZUM ATMEN. DER VON INNEN GELEITETE PROZEß KOMMT VON SELBST IN EINER GESUNDEN WEISE ZUM ABSCHLUß. DU ERLEICHTERST DEN PROZEß, DU BIST DIE HEBAMME. DEINE UNTERSTÜTZUNG, DEIN GLAUBE UND DEINE ANTEILNAHME SCHAFFEN RAUM FÜR DIE NATÜRLICHE ENTFALTUNG DES PROZESSES. WENN DU DEN MENSCHEN UNTERSTÜTZT, WENN DU DIESEN MENSCHEN MUT, KRAFT UND STÄRKUNG GIBST, DANN VERÄNDERT SICH DIESER MENSCH GANZ NATÜRLICH. LETZTEN ENDES IST ES DER GLAUBE, DER SOWOHL DEN HEILER ALS AUCH DEN GEHEILTEN VERÄNDERT.

Malik Wöss


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